Keine bremsenden Ampeln in Gondsroth?

Das gibts nicht. Schon wieder wird uns von der Straßenverkehrsbehörde eine Maßnahme zur Verkehsberuhigung abgelehnt.

Wir hatten im September beschlossen, in der Ortsdurchfahrt von Gondsroth die bestehenden Ampeln umzubauen in sogenannte geschwindigkeitsabhängige Ampelanlagen. Sobald Autos schneller als die erlaubten 30 km/h fahren, sollten die beiden Ampeln auf Rot schalten und somit auch den Verkehr einbremsen. Solche Ampeln gibt es vielerorts, etwa in Biebergemünd, Hanau, Mühlheim am Main.  Der Originalantrag ist hier zu finden.

Die Ortsdurchfahrt ist eine Landesstraße, damit ist verwaltungsrechtlich nicht nur die Gemeinde alleine für so was zuständig, sondern auch die Behörde Hessen Mobil. Von hier kam nun die entsprechende Antwort auf unser Anliegen:

Derartige Anlagen bewirken m.E. genau das Gegenteil von dem, was erwartet wird. Durch die Ampelschaltung müssen die Kraftfahrer häufiger bremsen und wieder anfahren, was zu einer höheren Lärmbelastung führt und auch den Verkehrsfluss negativ beeinflusst. Zudem bergen solche Anlagen eine nicht unerhebliche Gefahr für den, für den sie eigentlich errichtet wurden – nämlich für den Fußgänger und hier vor allem für die Schulkinder. Der Kraftfahrer lernt sehr schnell, mit welcher Geschwindigkeit er an die Anlage heranfahren muss, damit diese grün bleibt oder auf Grün schaltet.Erfolgt dann eine Anforderung durch den Fußgänger und die Anlage schaltet für ihn auf grün, rechnet der Kraftfahrer nicht damit und gefährdet so erheblich den Fußgänger.

Daher kann die Einrichtung solcher Anlagen nicht befürwortet werden.

 

Also ist auch diese Maßnahme zur Verkehrsberuhigung vom Tisch. Wenn diese Ampeln also so gefährlich sind, dann stellen sich mir aber einige Fragen: Warum gibt es diese Ampeln dann in so vielen anderen Orten im Umkreis? Ist es dann nicht gleich gefährlich, derzeit auf den engen Bürgersteigen in Gondsroth zu laufen? Warum überhaupt gehen wir von einem fahrlässig fahrenden Autofahrer als Maßstab aus? Wenn eine Ampel rot ist, muss ich so darauf zu fahren, dass ich davor auch halten muss. Wenn die Rot-Phase aufgrund überhöhter Geschwindigkeit länger als zwei Sekunden ist, kann der Autofahrer eben nicht die Grünphase „timen“, sondern er muss auf jeden Fall anhalten. So wird dann ein Lerneffekt erzeugt. Das gilt umso mehr, als dass Autofahrer in der engen Ortsdurchfahrt sowieso besonders achtsam fahren müssen, und dass in der gesamten Ortsdurchfahrt mit Tempo 30 eine äußerst geringe Höchstgeschwindigkeit gilt. Wer hier in der Lage ist, durch erhöhte Geschwindigkeit eine Fußgängerampel so zu überfahren, dass er querende Fußgänger gefährdet, handelt in meinen Augen mindestens grob fahrlässig oder gar billigend in Kauf nehmend, jemand anderes zu verletzen.

Dass durch die Ampel mehr gebremst wird, kann für mich ebenfalls kein Argument sein. Gerade das ist nämlich das Ziel dieser Ampelanlage, den Verkehr auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit einzubremsen. Dadurch sollte sich doch eben genau der Lerneffekt einstellen, dass das Tempolimit von 30 km/h einzuhalten ist.

Ich weiß, dass solche Ampeln in der Ansicht diverser Fachleute durchaus umstritten sind. Diese stehen dem eigentliche Ziel einer Ampelanlage, den Verkehrsfluss zu verbessern, zunächst entgegen. Wenn jedoch keine anderen Maßnahmen zur Verkehrssteuerung möglich und wirtschaftlich darstellbar sind, dann muss eben von dieser Zwecksetzung abgewichen werden. Wir versuchen seit Jahren, etwas an der Verkehrssituation zu ändern, bislang mit äußerst bescheidenem Erfolg.

Mit Hessen Mobil haben wir in der Vergangenheit des öfteren unsere Erfahrungen gemacht. Zig Vorschläge wurden von uns gemacht, um die Verkehrssicherheit in Hasselroth zu verbessern. Die Ortseinfahrten von Neuenhaßlau sollten beruhigt werden. Die Fußgängerampeln mit akustischen Hinweisgebern ausgestattet werden um diese damit barrierefrei und behindertengerecht auszustatten. Geprüft werden sollte, inwieweit Durchfahrtsverbote oder Nachtfahrverbote für den Schwerlastverkehr umsetzbar sind. Nun also die Ampeln. Nicht einer unsere Vorschläge wurde bislang umgesetzt, das macht wütend.

Dazu kommt die leidige Diskussion um die Ortsumgehung, bei der wir auch zur Zeit nicht wirklich weiter kommen.

Zusätzliches Ärgernis ist für mich in diesem Zusammenhang, wo wir beim Thema Verkehr sind, auch die neue Regelung der Verkehrsschilder in der Ortseinfahrt Neuenhaßlau. Hier wurde das Ortsschild um 50m ortseinwärts versetzt. Was nun bedeutet, dass bis hier hin auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit mit 70 km/h höher als zuvor ist.  Auf der entgegengesetzten Fahrtrichtung sind nun 70 km/h bis zur Ampelanlage Gewerbepark erlaubt, danach ist die Begrenzung 50 km/h Mo-Fr 7-15 Uhr gesetzt, wegen der querenden Schulkinder des Übergangswohnheims. Für mich ist es fragwürdig, ob mit dieser Regelung der Sicherheit der Schulkinder, die ohne Querungshilfe wie eine Fußgängerampel  über die Straße laufen müssen, genüge getan ist.  Dazu ist die gesamte Geschwindigkeitsregelung 50 km/h – 70 km/h – 50 km/h ) an dieser Stelle verwirrend und nicht konsequent. Um es wirklich verkehrssicher und einheitlich zu regeln, müsste hier konsequent 50 km/h umgesetzt werden, sowie  die Ampelanlage an der Kreuzung mit einer Fußgängerampel ausgestattet werden.

Für mich aber ist es die Erkenntnis: Man fühlt sich so langsam von der Straßenverkehrsbehörde im Stich gelassen. Anstelle unsere vielen Vorschläge immer abschlägig zu behandeln, könnte man sich dort ja einfach auch mal um unsere Ortsdurchfahrten kümmern und hier etwas an der Situation verbessern. Immerhin wurde das Tempo-30-Limit in Gondsroth auf die gesamte Länge der Durchfahrtsstraße verlängert. Wir brauchen aber weitere Maßnahmen. Die Ampeln wären gut geeignet. Wenn sie aber nicht möglich sind, wie so vieles anderes, dann könnte die Straßenverkehrsbehörde nun auch einmal behilflich sein und sagen, was sie denn für umsetzbar hält.

 

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